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Skype und das Dackelproblem

Es war am 19. September 1982, als der Student und spätere Informatikprofessor Scott E. Fahlman nach ironischen Missverständnissen und Witzen in einem Bulletin Board der Carnegie Mellon University vorschlug, Witze mit :- ) zu kennzeichnen. Das Emoticon (Emotion Icon) war geboren. Darauf folgten zahlreiche weitere Emoticons, sodass nun die Emoticons ihrerseits zu Missverständnis führten und mit zusätzlichem Text erklärt werden mussten. Um infolgedessen nicht auszusterben, durchlebten die Emoticons eine Morphose und verwandelten sich in farbige Grafik-Emoticons. Dadurch war die Zeichenverwirrung vorerst aufgehoben.

Auch in Skype (VoIP-Software) stehen den BenutzerInnen 72 Emoticons zur Verfügung. Darüber hinaus, lassen sich in Skype 14 weitere Emotcions freischalten. Darunter findet sich unter anderem ein Bandit, ein Schwein welches seinen rosa Hintern zeigt, ein fluchender Smiley und Toivo. Tovio kommt in Form eines kleinen Männleins, mit roten kurzen Hosen, weissem ärmellosen T-Shirt und Bürstenschnitt daher. Neben ihm steht ein brauner Dackel. Tovio selbst hebt in kurzen Intervallen immer wieder den rechten Arm zum Grusse hoch. Was will mir Tovio sagen und warum heisst dieses Emoticon überhaupt so? Ich gehe spazieren? Ich muss mal Häufchen machen? oder Hallo? Doch für Hallo gibt es ja bereits das Emoticon (Hi). Ich war verwirrt. Für meine deutschen Arbeitskollegen war auf den ersten Blick klar; Toivo ist ein Neonazi. „Schau doch nur wie der die Hand hebt!“, „Also, wenn der Typ nicht wie ein Neonazi aussieht dann weiss ich auch nicht“, „Hatte nicht auch Hitler einen Dackel?!“ Doch weshalb sollte einem in Skype ein Neonazi zur Verfügung stehen? Nach diesen subjektiven Einschätzungen beschloss ich, mich diesem Toivo etwas analytischer zu nähern und widmete mich einerseits dem Namen Toivo, anderseits dem Dackel um herauszufinden ob es zwischen diesen beiden eine Verbindung gibt.

Auf der Dackelspur

Der Dackel (Dachshund / Teckel) genannt ist ein deutsches Wahrzeichen auf vier kurzen Beinen mit einer langen Geschichte. Was heute für Obama der portugiesische Wasser-Hund ist, war für Kaiser Wilhelm II ein Dackel. Für diesen richtete er sogar ein eigenes Hundegrab ein. In einem Park in Kassel erinnerte der Kaiser an seinen „treuen Dachshund Erdmann (1890-1901)“. Bereits um 1888 existierte in Deutschland der Deutsche Teckelklub. In den 70er des letzten Jahrhunderts schaffte es der Dackel dann endgültig zum Kultobjekt zu werden. So warb 1972 Dackel Waldi als Maskottchen für die Olympischen Spiele und fand zugleich als Wackeldackel Einzug hinter die Heckscheiben von vielen selbstironischen deutschen Autofahrern. Heute steht es eher schlecht um den Dackel. Erblickten 1996 noch mehr als 12.000 kleine Dackel das Licht der Welt, waren es 2005 nur noch rund 7300 Welpen. Einige sprechen bereits von einem Aussterben des Dackels. Grund dafür: Der Dackel passe nicht mehr so recht ins globalisierte Deutschland. Wie Schäferhund und Pudel lässt sich damit nicht mehr so recht angeben.

Toivo

Nachdem ich eine Weile überlegt hatte, ob mir ein Toivo bekannt ist, kam ich schliesslich auf Toivo Kettukangas. Toivo Kettukangas ist ein finnischer Historiker, Germanist und Rechtsextremist. Kettukangas bekennt sich als Sympathisant des von ihm „sehr verehrten Dr. Joseph Goebbels“ und wärmt die Mär einer „jüdischen Kriegserklärung“ an das Deutsche Reich auf.

Wie passt nun der Dackel und Toivo zusammen?

Da die Verbindung von Toivo zu Toivo Kettukangas lediglich eine Leistung meiner Erinnerung ist, muss der Name natürlich nach einer objektiveren Weise beleuchtet werden; der etymologischen. Dadurch erfahren wir, dass Toivo ein vorchristlicher finnischer Name ist, welcher soviel wie Hoffnung bedeutet und sich im 19 Jahrhundert einer Wiederverbreitung erfreuen durfte. Dackelfreunden dürfte es nun wohl vor Gerührtheit warm ums Herz werden. Nachdem bereits die Japanische Fussballmanschaft mit ihrem Dackel Erwin Rommel, als Maskottchen auf die prekäre Lage des Deutschen Dackels aufmerksam machte, erhält das Wahrzeichen nun die globale Unterstützung von Skype. Ist die Aussage hinter dem Emoticons Toivo doch einfach diese, dass es Hoffnung für den Deutschen Dackel gibt und man ihn noch nicht vergessen hat.

Falls Ihr also jemanden kennt der nen Dackel hat, sendet ihm doch einfach Mal einen Toivo zu, als Zeichen eurer Unterstützung.

Aufmerksamen Lesern dürfte in diesem Texte eine weitere Kuriosität aufgefallen sein. Wie kommt die Japanische Nationalmannschaft dazu ihren Dackel Erwin Rommel zu nennen? Keine Ahnung. Was ich allerdings auch hier von vornherein ausschliessen würde ist der Bezug zu Johannes Erwin Eugen Rommel (* 15. November 1891 in Heidenheim; † 14. Oktober 1944 in Herrlingen bei Ulm) einem deutschen Heeresoffizier.